LANZAROTE

Ein edler Tropfen
Auf allen sieben Hauptinseln der Kanaren wird Wein angebaut. Am beliebtesten bei den Einheimischen sind die Tropfen aus Lanzarote, dessen vulkanische Böden und trockenes Klima dem Wein seinen typischen Geschmack verleihen. Die größten Erträge werden aber auf Teneriffa erzielt. Schon im 15. ' Jh. zog man auf dem Archipel Reben und exportierte den süßen, schweren Malvasier an Liebhaber in England und Frankreich. Shakespeare hat in mehreren seiner Stücke den Kanarenwein hochleben lassen. Heute werden allerdings die trockeneren Gewächse bevorzugt.

Lanzarote ist ein Beispiel dafür, wie sich der Mensch gegen eine unwirtliche Umwelt zu behaupten vermag - in diesem Falle eine Mondlandschaft mit über 300 Kratern. In der schwarzen Lavaasche gedeihen Zwiebeln, Kartoffeln, Tomaten, Melonen und Trauben in Fülle. Ein wahrlich überraschender und erhebender Anblick - schwarz ist schön auf Lanzarote!
Die Herkunft des Namens der Insel ist von Legenden umrankt. Wurde sie zu Ehren des genuesischen Seefahrers Lancelotto benannt, der hier 1312 einen Halt einlegte? Oder aber nach dem französischen Edelmann Lancelot. der fast ein Jahrhundert später die ersten Siedler begleitete? Oder gar nach dem Ereignis im Jahre 1404, als der normannische Ritter Jean de Bethencourt nach der »Befriedung« der Inselbewohner seine Lanze zerbrach, die Stücke in die Luft warf und dabei »Lanza rota!« (Die Lanze ist gebrochen) ausrief?
Wie dem auch sei, fest steht jedenfalls, dass Lanzarote, die Europa am nächsten gelegene Kanareninsel. als erste erobert wurde.
Der Besucher fragt sich jedoch vor allem, wie die Insel bei den geringen Niederschlägen und trotz der wenigen Quellen überhaupt so ertragreich sein kann. Die Aschenkrume an sich ist zwar nicht fruchtbar, aber sie ist porös und speichert nachts die für die Pflanzen nötige Feuchtigkeit aus der Luft.
Am ungewöhnlichsten sind wohl die Weingärten: Jede Rebe sprießt in einem eigenen Mini-Krater, vor Wind und Sonnenglut durch ein halbkreisförmiges Mäuerchen aus Lavageröll geschützt.
Einen krassen Unterschied zu den üppigen Anbau- flächen bilden die »schlechten Böden« des so genannten malpais. trostlose Ebenen, über denen sich Kraterkegel in eigenwilligen Formen und Farben erheben.
Arrecife (35000 Einwohner) ist der wichtigste Hafen und die Hauptstadt der Insel. Freundliche Gartenan- lagen aus neuerer Zeit an der Uferpromenade heitern ein wenig das eher eintönige und verschlafene Stadtbild auf. doch sonst hat Arrecife - der Name bedeutet auf spanisch »Riff« - dem Besucher nur wenige Sehens- würdigkeiten zu bieten.
Den Fischerhafen bewacht eine stämmige Festung aus dem 16. Jh.. Castillo de San Gabriel, die zu Fuß über einen schmalen Damm erreichbar ist. Hier ist jetzt, da keine Piratenüberfälle mehr drohen, ein kleines archäologisches Museum untergebracht. Der neue Hafen etwas außerhalb der Stadt hat sein eigenes Kastell, die Festung San Jose. Lanzarotes bedeutendster Künstler, Cesar Manrique. richtete darin ein Museum zeitgenössischer Kunst ein, in dem unter anderem Werke von Picasso, Miro und ihm selbst zu

 sehen sind. Die ganze Gegend wurde in eine Art Naturschutzgebiet der Trostlosigkeit verwandelt, und die schwarze Landschaft erweckt Weltuntergangsstimmung.
Hier ist die Schlacke nur wenige Zentimeter unter der Erdoberfläche noch so heiß, dass man sie nicht anfassen kann, und in den Boden gestecktes Reisig fängt in ein paar Sekunden Feuer. Eindrucksvoll ist es, wenn der Führer durch ein Rohr Wasser in die Erde gießt und sofort danach Dampf herauszischt.
Zahlreiche Ausflügler besuchen auch die Salzgärten 22 von Janubio an der West-
küste von Lanzarote: Gleißend weiß hebt sich das trocknende Salz vom tiefblauen Meer und der schwarzen Lava ab.
Ein weiteres Ausflugsziel an der Westküste, nicht weit von Janubio entfernt, ist El Golfo, eine smaragdgrüne Lagune unterhalb einer Klippe, die wie eine riesige Sturzwelle hereinzubrechen droht. Es handelt sich um den Rand eines Vulkankegels, dessen andere Hälfte in den Fluten versank. Die Gesteinsschichten in verschiedenen Farbtönen und die bizarren Formen sind ebenso beeindruckend wie der Gegensatz zwischen dem ruhigen Kratersee und dem mächtigen Ozean.
Eine andere Lagune lockt Besucher zur Nordostküste: Ja-meos del Agua, eine Grotte vulkanischen Ursprungs, die unterirdisch mit dem Meer verbunden ist. Von oben fallen ein paar Sonnenstrahlen ein und lassen das Wasser eines kleinen Sees aufleuchten. Darin leben blinde weiße Krebstierchen, die sonst nur in der Tiefsee vorkommen.
Die nahe gelegene Cueva de los Verdes wirkt je nach Stimmung des Besuchers beängstigend oder fantasieanregend. Ton- und Lichteffekte begleiten die Führungen durch etwa 2 km des Höhlensystems, das durch ausfließende Lava entstand.
Vor der Nordküste von Lan-zarote liegt das 26 km2 große Inselchen La Graciosa, auf dem einige hundert Einwohner überwiegend vom Fischfang leben. Wenn Sie einmal einen Strand ganz für sich haben möchten, machen Sie vom winzigen Hafen Orzola aus einen Tagesausflug nach La Graciosa.
Wer in erster Linie an Badefreuden interessiert ist, fährt nach Puerto del Carmen, dem alten Fischerort südlich von Arrecife, der sich /.um größten Touristenkomplex der Insel entwickelt hat. Hierher kommen
die Besucher wegen des schönen Sandstrands, der sanft ins blaue Wasser abfällt.

Auf dieser Kakteenfarm werden die zu roter Farbe verarbeiteten Schiltlläuse gezüchtet.

21-11 Anreise, Einschiffung

 

aktualisiert am: 21.08.2008

 

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